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EZB senkt Einlagensatz auf -0,5 % und nimmt Ankaufprogramm wieder auf

12.09.2019

Chefvolkswirt der Kreissparkasse Köln: „Zentralbank dürfte noch sehr lange an ihrer Niedrigzinspolitik festhalten"

Köln, den 12. September 2019
Der Rat der Europäischen Zentralbank hat nach seiner heutigen Sitzung bekannt gegeben, den Einlagensatz für Geschäftsbanken von -0,4 % auf -0,5% weiter zu senken und sein Anleihenankaufprogramm wieder aufzunehmen. Diese Entwicklung kommentiert Prof. Dr. Carsten Wesselmann, Chefvolkswirt der Kreissparkasse Köln, wie folgt:

„Das war mehr, als ich erwartet habe. Die Verlängerung der Laufzeit der längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte, der weit nach vorne verschobene geldpolitische Ausblick und die zeitlich nicht begrenzte Reaktivierung des Wertpapierankaufprogramms zeigen an, dass die EZB noch für mehrere Jahre von dem aktuellen, wenn nicht sogar einem noch niedrigeren Leitzinsniveau ausgeht. Zinsen auf Spar-, Termin- und Sichteinlagen sind damit für die nächsten Jahre weiterhin passé. Es ist bestimmt nicht allein die Geldpolitik der EZB, die für das anhaltend niedrige Zinsniveau sorgt. Digitalisierung, demografischer Wandel, Sparschwemme, Investitionszurückhaltung von Unternehmen sowie Staaten sind nur einige Ursachen, die in die gleiche Richtung wirken. Doch die Zinsrichtung der EZB hat Signalwirkung, und der aktuelle geldpolitische Kurs ist alles andere als risikolos. Am Kapitalmarkt erfolgt eine Bewertung der Zukunft. Für mich stellt sich zunehmend die Frage, welche gesellschaftlichen Folgen es hat, wenn sich angesichts des anhaltend niedrigen und oft sogar negativen Renditeniveaus in den Köpfen der Kapitalanbieter und damit auch Sparer die Meinung manifestiert, dass sich eine Zukunftsorientierung bei der Ersparnisbildung nicht rentiert. Die Geldpolitik der EZB trägt mit dazu bei, die Gesellschaft um den kollektiven Glauben an eine bessere Zukunft zu berauben."