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EZB behält ihren Kurs bei

26.07.2018

Chefvolkswirt der Kreissparkasse Köln: „Es wird Zeit, etwas mehr Mut beim Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik zu zeigen"

Köln, den 26. Juli 2018
Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat nach seiner heutigen Sitzung bekannt gegeben, dass die Leitzinsen bis mindestens Sommer 2019 unverändert bleiben. Diese Entwicklung kommentiert Prof. Dr. Carsten Wesselmann, Chefvolkswirt der Kreissparkasse Köln, wie folgt:

„Es gibt wenig Neues von der EZB. Sie tut sich unverändert schwer mit dem Einstieg in den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gestaltet sich der Ausstiegsfahrplan für mich wie folgt: Zurückführung der Netto-Anleihekäufe auf Null bis Ende 2018, eine erste Erhöhung des Einlagesatzes im September 2019 und eine erste Anhebung des Hauptrefinanzierungssatzes Ende 2019/Anfang 2020. Unter dem Blickwinkel der Inflationsentwicklung ist dieser Fahrplan vielleicht akzeptabel. Digitalisierung, Demographie und Globalisierung dürften den Teuerungsdruck auch weiterhin niedrig halten. Unter Wachstumsaspekten sehe ich den Ausstiegsfahrplan allerdings skeptischer. Die Euroland-Konjunktur hat ihren Zenit überschritten. Es bleibt zu hoffen, dass die Euroland-Währungshüter überhaupt noch die Möglichkeit haben, die Leitzinsen nennenswert zu erhöhen. Andernfalls könnte schnell die Frage aufkommen, welche Optionen die EZB noch hat, sich verschlechternden Wirtschaftsaussichten entgegenzustellen. Zinssenkungen scheiden dabei ebenso aus wie eine Wiederaufstockung des Anleiheankaufprogramms."