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ZEW-Konjunkturerwartungen brechen drastisch ein

18.06.2019

Chefvolkswirt der Kreissparkasse Köln: "Zeitnahe diplomatische Lösungen sind dringend geboten."

Köln, den 18. Juni 2019
Wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) heute mitteilte, sind die Konjunkturerwartungen für Deutschland im Juni 2019 auf minus 21,1 Punkte eingebrochen, nachdem sie im Mai nur leicht auf minus 2,1 zurückgegangen waren. Damit befindet sich der Indikator deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt der ZEW-Konjunkturerwartungen.

Diese Entwicklung kommentiert Prof. Dr. Carsten Wesselmann, Chefvolkswirt der Kreissparkasse Köln, wie folgt:
„Der Rückgang der ZEW-Konjunkturerwartungen kommt nicht unerwartet und ist gleich mehreren Faktoren geschuldet. So dominierten in Deutschland und anderen Teilen des Euroraums zuletzt vor allem die negativen Überraschungen von der Konjunkturfront. Hinzu kommen die vielen wirtschafts- und geopolitischen Krisenherde. Zu nennen ist in diesem Kontext natürlich der Handelsstreit zwischen den USA und China, der in den letzten Wochen weiter an Schärfe gewonnen hat. Dann sorgte der Brexit erneut für Schlagzeilen. Aktuell liegt Boris Johnson im Rennen um die Nachfolge von Theresa May vorne. Er gilt als Brexit-Hardliner und will auf jeden Fall die EU spätestens zum 31. Oktober 2019 verlassen, egal ob mit oder ohne Abkommen. Dann sind in den letzten Tagen das Verhältnis der USA zum Iran und die damit verbundenen Fragen zur Ölversorgung und zum Ölpreis auf der Sorgenliste nach oben gerückt. Darüber hinaus bereiten die Entwicklungen in Italien Kopfzerbrechen. Die Regierung plant, kurzfristige Staatsanleihen in Stückelungen von fünf bis 500 Euro auszustellen, um damit Rechnungen innerhalb Italiens zu bezahlen. Das gleicht der Einführung einer Parallelwährung. Die Sorgenliste wird länger und länger und schürt Unsicherheit. Zeitnahe diplomatische Lösungen sind dringend geboten, wenn der globale Konjunkturaufschwung nicht gänzlich abgewürgt werden soll."